Was ist Vollgeld?

Der Begriff des Vollgeldes

Vollgeld ist unbeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel und als solches vollgültiges und bestandsicheres Geld - im Unterschied zum Giralgeld. Giralgeld ist das von Banken erzeugte Buchgeld. Bei diesem handelt es sich um die Guthaben auf Girokonten für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Vollgeld wird dagegen von einem staatlichen Organ ausgegeben, in der Regel der Zentralbank.

Vollgeld existiert heute als Bargeld (Münzen und Banknoten) und vor allem als Buchgeld der Zentralbank (sog. Reserven). Solche Reserven befinden sich jedoch ausschließlich auf Konten der Banken bei der Zentralbank, nicht auf Kunden-Girokonten bei den Banken.
Das im Euroraum heute meistgebrauchte Zahlungsmittel ist Giralgeld (über 90%). Das Vollgeld in Form von im Inland aktiv benutztem Bargeld beträgt weniger als 10% der umlaufenden Geldmenge.

Giralgeld ist ebenso wie Vollgeld im Prinzip jederzeit verfügbar. Aber Vollgeld ist tatsächlich vorhanden, bestandsicher und befindet sich im Besitz der Kunden. Giralgeld dagegen befindet sich nicht im Besitz der Kunden, sondern stellt nur ein Versprechen der Banken dar, auf Verlangen Bargeld (Zentralbankgeld) dafür auszuzahlen oder das Guthaben anderswohin zu überweisen. Giralgeld ist eine weitgehend ungedeckte Forderung, die wir an unsere Bank haben. In diesem Sinn ist Giralgeld ein Bargeldkredit, den die Kunden der Bank überlassen.
Die 'Deckung' von Bankengeld (Giralgeld) durch Zentralbankgeld beträgt im Durchschnitt nur 2,5 Prozent. 

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Das bestehende Giralgeldregime und seine Probleme

Banken erzeugen immer dann Giralgeld, wenn sie Kredit und Überziehungskredit ausstellen, ebenso wenn sie Wertpapiere und Sachwerte wie zum Beispiel Immobilien kaufen. Das Zentralbankgeld dafür besitzen die Banken beim Kauf nicht, bzw. nur zu den genannten 2,5 Prozent. Die Banken erzeugen das eigentlich fehlende Geld, indem sie ein entsprechendes Guthaben für den Empfänger im Kunden-Kontokorrent gutschreiben. In der Bilanz der Bank erscheint das so erzeugte Kundenguthaben als Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Kunden (Passivum). Dem stehen als Aktivum die betreffende Kreditforderung bzw die betreffenden Wertpapiere oder Immobilien gegenüber.    

Anders als es im Lehrbuch steht, verläuft die historisch reale Banken-Giralgeldschöpfung auf Dauer stets überschießend, d.h. es wird fortlaufend viel mehr zusätzliches Geld erzeugt als dem ein zusätzliches reales Wirtschaftsprodukt gegenüber steht. Dies führt zu Inflation und zuletzt vor allem zu Asset Inflation (Mengenaufblähung von Finanztiteln und Inflation der Finanzgüterpreise = Finanzmarktblasen). Finanzzyklen und Konjunkturzyklen werden dadurch in krisenerzeugende Extreme getrieben, die sie sonst nicht erreichen würden (oder doch historisch nur überaus selten wie etwa in der Holländischen Tulpenmanie in den 1630er Jahren). Die brachialen Krisen schaden den Finanzvermögen und der Realwirtschaft gleichermaßen, und damit der Bevölkerung in der Breite.

In jeder Bankenkrise erweist sich außerdem, dass Giralgeld in seinem Bestand gefährdet, also unsicheres Geld ist. Einlagensicherungsfonds sind der beredte Beleg dafür. Aber im Ernstfall nützen Fonds kaum etwas – je größer die Bankenkrise, desto weniger tragfähig sind diese Fonds.

In den 15 Jahren vor der Krise wuchs die Geldmenge M1 in Deutschland um 189%, das nominale BIP (mit Verbraucherpreisinflation) um 51%, das reale BIP (Inflation herausgerechnet) um 23%. Von daher kann man sagen, nur 1/8 des Geldmengenzuwachses diente realer Wirtschaftsproduktivität und realen Einkommenszuwächsen. Ein weiteres 1/8 ging in Verbraucherpreisinflation. Wo blieben die restlichen 3/4? Sie flossen in Finanzmarktanlagen, zu einem erheblichen Teil rein spekulativer Natur ('Globales Kasino') ohne zur Finanzierung des Wirtschaftsprodukts etwas beizutragen.

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Die typischen Geschäftsfelder für Überinvestments auf der Grundlage überschießender Giralgeldschöpfung sind Immobilienblasen, Aktienhaussen, Fusionen & Übernahmen, insb. feindliche Übernahmen, und seit den 1970ern die Riesenblase der Staatsanleihen in fast allen Industrieländern. In Verbindung mit jeder solchen Bonanza ( = Überinvestment = Überschuldung) kommt es regelmäßig zu deren Aufhebelung durch direkte Kreditaufnahme (Giralgeldschöpfung). Abgesehen davon werden alle Finanzmarktprozesse von einer fortlaufenden großvolumigen Zins- und Devisenspekulation begleitet.      

Mit der überschießenden Giralgelderzeugung gehen weitere Probleme einher, besonders auch eine eingebaute Schlagseite zugunsten von Finanzeinkommen auf Kosten der Arbeitseinkommen. Das anhaltende Wachstum von Finanzvermögen und Schulden überproportional zum BIP weitet den relativen Anteil der Finanzforderungen am Volkseinkommen aus bzw es verringert den relativen Anteil der Arbeitseinkommen.     

Geld ist ein Geschöpf der Rechtsordnung, von fundamentaler Bedeutung für Staat und Wirtschaft gleichermaßen   

Bei den meisten Analysen der Finanzkrise seit 2007/08 und daraus folgenden neuen Regelungen hat man vielerlei in Betracht gezogen, aber den eigentlichen Kern des Problems hat man bisher außer Acht gelassen: die faktisch nicht begrenzte Giralgeldschöpfung der Banken. Um die Finanzen in den Griff zu bekommen, muss man das Geld unter Kontrolle bekommen, insbesondere die Geldschöpfung und die Erstverwendung neu geschaffener Zahlungsmittel.  

Vollgeld steht in der Tradition der Currency School der 1830–40er und der staatlichen Theorie des Geldes (Chartalismus) seit um 1900, im Unterschied zu den Lehren der Banking School.  Letztere behauptet die Identität von Geldschöpfung und Kreditausstellung und betrachtet dies als eine privatrechtliche und rein marktwirtschaftliche Angelegenheit. Das sei angeblich unproblematisch, weil Geld nur ein neutrales Tauschmittel sei, welches zwar das Preis- und Einkommensniveau verschieben könne, ohne jedoch dabei die Wirtschaft strukturell zu verändern, insb. Preisrelationen, Investitionsstruktur und Einkommensverteilung. Der Markt werde von alleine zu einer optimalen Kreditgeldversorgung führen.

Currency Theorien dagegen verlangen die Trennung von Geldschöpfung und Kreditwirtschaft. Denn die Geldordnung ist Teil der staatlichen Rechtsordnung und daher die Kontrolle über das Geld eine staatliche Prärogative. Dies beinhaltet die Kontrolle über die Geldschöpfung, im Unterschied zur finanz- und realwirtschaftlichen Geldverwendung, die im Prinzip marktwirtschaftliche Privatsache bleiben kann.

Geld ist nicht neutral, denn bevor Geld überhaupt als Transaktionsmittel (Tauschmittel) zum Einsatz kommt, fungiert es zunächst als Finanzierungsmittel, als Mittel der Allokation und Distribution, dadurch als ein Mittel ökonomischer und gesellschaftlicher Gestaltungsmacht, in der Tat als das machtvollste Steuerungsmedium neben institutioneller Weisungsbefugnis oder Kommandogewalt. Die Geldordnung liegt der Finanzwirtschaft zugrunde, wie diese maßgeblich die Bedingungen für die Realwirtschaft bestimmt. Die Geldordnung ist daher gerade in modernen Marktwirtschaften von fundamentaler Bedeutung.        

Zur Souveränität eines Nationalstaats, oder einer Gemeinschaft solcher Staaten, gehört auch monetäre Souveränität, also die Geldhoheit, als eine Verfassungsprärogative von gleicher Bedeutung wie die Monopole der Gesetzgebung, der gebietskörperschaftlichen Verwaltung, der Rechtsprechung, der Besteuerung und der Gewaltausübung. 

Eine Vollgeldordnung würde demgemäß die drei Kernpunkte der staatlichen Geldhoheit implementieren: 
1. die Währung und ihre Einheiten festlegen, also die nationale monetäre Recheneinheit (Dollar, Euro, Pfund, Franken, usw.) 
2.  das Geld in dieser Währung als gesetzliches Zahlungsmittel schöpfen und herausgeben, sei es als Bargeld, Kontogeld (Buchgeld) oder Digitalgeld
3.  den Gewinn aus der Geldschöpfung, sie sog. Seigniorage, zugunsten der Staatskasse einnehmen.

Im heutigen Giralgeldregime der Banken ist nur noch der erste Punkt gegeben. Die beiden anderen dagegen – die Geldschöpfung und die Seigniorage – sind in Form des Giralgeldes und damit verbundener Seigniorage-artiger Privilegien weitestgehend an den Bankensektor übergegangen.

Kernpunkte einer Vollgeldreform

Eine Vollgeldreform macht aus Giralgeld (Bankengeld) positiv auf einem Geldkonto vorhandenes Vollgeld (Zentralbankgeld). Dazu wird das heutige Münzmonopol der Regierungund das Banknotenmonopol der staatlichen Zentralbank ausgedehnt auf alle unbaren Zahlungsmittel auf laufenden Konten, mobilen Geldspeichern und ggf auch auf Digitalbörsen (digital wallets), die es erlauben, digitales Zentralbankgeld auf Basis der Blockchaintechnik zu verwenden. Die Giralgeldschöpfung der Banken wird beendet, sei es mit einem mal per Stichtagreform oder nach und nach in einem schrittweisen Übergang. Der Gewinn aus der Geld­schöpfung – die Seigniorage – kommt dann ungeschmälert den öffent­lichen Haushalten zugute.

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Herausgegeben wird neues Geld von der Zentralbank langfristig und zum größten Teil durch Überlassung der Mittel an den Staatshaushalt. Damit wird eine originäre Seigniorage realisiert, wie sie dem traditionalen Geldregal, der hergebrachten staatlichen Geldhoheit entspricht: dieses Geld wird von der öffentlichen Hand schulden- und zinsfrei eingenommen und ausgegeben. Durch die laufenden Ausgaben der öffentlichen Hand kommt das neue Geld langfristig in Umlauf. Kurzfristig kann neues Geld wie bisher auch durch Zentralbankkredit an Banken ausgegeben werden. Dadurch entsteht eine Zinsseigniorage.

Vollgeld der Zentralbank ist sicheres Geld. Es kann in Bankenkrisen nicht verschwinden. Von Konkurs bedrohte Banken müssten nicht mehr auf Kosten der Allgemeinheit gerettet werden. Die Geldmenge wäre vollständig unter Kontrolle. Für überschießende Finanzmarktspekulation würden die Banken nicht mehr zusätzliches Giralgeld erzeugen können. Finanzmarkt- und Konjunkturzyklen würden erheblich moderater verlaufen.

Der Geldschöpfungsgewinn käme ungeschmälert dem öffentlichen Haushalt zugute. Nach heutigen Maßstäben wären das in Deutschland etwa 25 Mrd Euro je 1 Prozent Wirtschaftswachstum. Damit ließen sich je nach Konjunktur und Staatsausgabenquote 1–6 Prozent des öffentlichen Gesamthaushalts finanzieren.

Darüber hinaus würden die Bestände an liquidem Giralgeld (M1), zuletzt etwa 1.600 Mrd Euro, nach und nach durch Vollgeld ersetzt. Das entspricht nahezu drei Viertel der gesamten Staatsschuld bei zuletzt 2.170 Mrd Euro. Soweit das Vollgeld über den Staatshaushalt in Umlauf käme, ließe sich somit der Großteil der Staatsschulden abbauen – ohne 'Haircut', also ohne Aktivaverluste der Gläubiger, und ohne unsoziale und kontraproduktive Austerität, sprich ohne Gürtel-enger-schnallen, Verluste von Arbeitsplätzen und Massenkaufkraft, und Abbau von staatlichen Leistungen.

Die Arbeitsteilung zwischen Zentralbank und Banken wird damit weiter fortentwickelt: die Zentralbank ist für die Versorgung der Wirtschaft mit Geld zuständig; die Banken für die Finanzierung von Aktivitäten auf Basis dieses Geldes. Die Banken können jedoch nicht mehr selbst das Buchgeld erzeugen, das sie für ihre Geschäfte benötigen. Sie müssen dieses Geld, als Vollgeld, erst vollständig einnehmen bzw aufnehmen ehe sie es ausgeben können – von ihren Kunden, vom offenen Anlegermarkt, vom Geldmarkt, ggf von der Zentralbank.

Die Aufgabe der Geldschöpfung wird ausschließlich den unabhängigen staatlichen Zentralbanken übertragen. Im Euro wäre das die Europäische Zentralbank und die zum Eurosystem zusammengeschlossenen Euro-Nationalbanken. Damit jedoch nicht EZB und einige Nationalbanken ihr Mandat wie zuletzt missbräuchlich überdehnen, bedarf es hier einiger gesetzlicher und statuarischer Spezifizierungen. Die Zentralbanken werden damit zu einer unabhängigen Vierten Staatsgewalt, zur Monetative, in Ergänzung der Legislative, Exekutive und Judikative. Die damit verbundene Gewaltenteilung besteht insb zwischen monetärer Verantwortung (Zentralbank) und fiskalischer Verantwortung (Regierung), sowie zwischen diesen beiden und weitergehenden Kapital- und Finanz­markt­funktionen funktional unabhängig vom Staat.   

 

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Der Begriff des Vollgeldes

Das bestehende Giralgeldregime und seine Probleme

Geld ist Geschöpf der Rechtsordnung, von fundamentaler Bedeutung für Staat und Wirtschaft gleichermaßen  

Kernpunkte einer Vollgeldreform 

 

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