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Gegenkritik an Flassbeck-Economics    

H. Flassbeck und Fr. Spiecker (im folgenden F&S) haben sich zu Vollgeld geäußert > Vollgeld, das moderne Gold. Leider geben sie den Vollgeldansatz, sofern sie ihn überhaupt wiedergeben, falsch wieder. Das beginnt damit, dass sie Vollgeld mit 100%-Reserve bzw dem Chicago Plan verwechseln. Auch sonst entspricht etliches, was sie dem Vollgeld ankreiden, nicht dem Ansatz wie er heute von der internationalen Geldreformbewegung vertreten wird, sondern stellt einen Pappkameraden hin, auf den sich leicht schießen lässt. Zum Beispiel:

Staatliches Geld, nicht Verstaatlichung der Banken
F&S unterschieben Vollgeld, 'ein vollständig verstaatlichtes Bankensystem' schaffen zu wollen. Das mag ihnen selbst nahe liegen, aber mit Vollgeld hat es nichts zu tun. Vollgeld soll realisieren, was die meisten Leute irrtümlicherweise als Realität annehmen: staatliches Geld, d.h. die Ausdehnung des bisherigen Münz- und Papiergeld-Monopols auf Buchgeld und E-Geld in Händen der Zentralbank als Monetative. Eine Verstaatlichung der Banken ist ausdrücklich nicht vorgesehen. In einer Vollgeldordnung können Banken freie marktwirtschaftliche Unternehmen sein, nur sollen sie nicht mehr das illegitime und dysfunktionale Privileg besitzen, selber auch noch das Geld zu erzeugen, auf dessen Grundlage sie tätig sind.

Vollgeldmenge variabel anpassungsfähig, nicht fix
F&S unterstellen, in einem Vollgeldsystem könnten Finanzierungen durch Banken nur so weit erfolgen, wie Spareinlagen zur Verfügung stehen. Falsch. In einer Vollgeldordnung sorgt die Zentralbank mit einem zeitlichen Vorlauf stets für einen ausreichend großen Geldmengenzuwachs, und die Banken finanzieren sich über alle zur Verfügung stehenden Kanäle: Geldaufnahme von Kunden, von anderen Banken, von sonstigen Finanzinstituten und institutionellen Investoren, Begebung von Schuldverschreibungen, ggf auch Aktien, am offenen Markt, und nicht zuletzt auch direkt von der Zentralbank. Zentralbankkredit an Banken bleibt auf kurze Frist möglich, auch wenn der größere, langfristige Teil des jeweiligen Geldmengenzuwachses als originäre Seigniorage dem Staatshaushalt zufließen und über diesen schuldenfrei in Umlauf kommen soll.

Nicht monetäre Zentralplanung, sondern flexibel justierende Geldmengenpolitik
F&S unterstellen einem Vollgeldsystem eine zentralplanerische Wissensanmaßung, indem die Zentralbank 'objektiv' wissen müsse, wieviel Geld genau benötigt wird. Unfug, niemand ist ein Hellseher. Eine zentral-administrative Geldplanwirtschaft ist nicht, was das Vollgeldkonzept vorsieht. Es geht darum, dass die Zentralbank rollierend anhand ihrer Markt- und sonstigen Finanz- und Wirtschaftsindikatoren und mit einem gewissen zeitlichen Vorlauf die benötigte Geldmenge abschätzt, die Finanz- und Realwirtschaft bei annähernder Vollauslastung der Kapazitäten in ungefähr BIP-proportionaler Ausweitung benötigen, und sie diese Menge fortlaufend justiert mithilfe ihres geldpolitischen Instrumentariums. Für eine Geldmengensteuerung unter Vollgeld-Bedingungen wäre dieses Instrumentarium kurz- ebenso wie langfristig effektiv und flexibel, während es heute durch die pro-aktive Bilanzenerweiterung der Banken faktisch ausgehebelt wird.     

Wenig wirksame Leitzinspolitik
F&S setzen der Geldmengenpolitik die Leitzinspolitik entgegen. Sie folgen damit dem orthodoxen Mainstream, der einsehen musste, dass man mit bruchteiligen (fraktionalen) Zentralbankreserven der Giralgeldschöpfung der Banken nicht Herr wird (reserve position doctrine). Man hat sich deshalb seit den 1980-90er Jahren ersatzweise auf Leitzinspolitik verlegt (short-term base-rate doctrine). Dass aber die Leitzinspolitik praktisch genauso wenig funktioniert wie zuvor die Geldmengenpolitik, kümmert F&S nicht weiter, sowenig sie die Kritik am Giralgeldsystem, der primären Kreditgeldschöpfung der Banken, zur Kenntnis nehmen. Als ob dieses Giralgeldsystem wunderbar funktionieren würde und die ganzen Probleme ursächlich von einem zum Spielkasino gewordenen Investmentbanking herrühren würden. Da wird denn doch der Qualm für das Feuer gehalten.

Die Gründe für die fehlende Lenkungswirkung der heutigen Leitzinspolitik sind folgende. Erstens, die kurzfristige Reservennachfrage der Banken ist zins-unelastisch, weil im pro-aktiven Vorlauf der primären Kredit- und damit Giralgelderzeugung durch die Banken Tatsachen geschaffen werden, die nachträglich fraktional re-finanziert werden müssen, egal wieviel es kostet. Zweitens, die Zentralbank- und Interbank-Zinsen für Reserven beziehen sich nur auf max. 3% der Giralgelder in M1. Wo soll da eine wirksame Transmission auf 100% Giralgeld herkommen? Drittens, auch relativ sehr hohe Zentralbank- und Interbankzinsen auf 3% Minimum-, Überschuss- und Bargeldreserven hindern die Banken nicht daran, Darlehens- und Wertpapiergeschäfte auf 100% einer Summe zu tätigen, weil sie mit diesen Geschäften in aller Regel signifikant höhere Kapitalmarktzinsen bzw Renditen realisieren. Nicht zuletzt, viertens, wird das allgemeine Zinsniveau im wesentlichen an den Vermögensmärkten bestimmt, nicht von den 'Leit'-Zinsen der Zentralbank.

Frage des Zinsniveaus
In einer Vollgeldordnung kann die Zentralbank den Zins, so sie dies überhaupt wollte, über die Geldmenge erheblich wirksamer steuern als umgekehrt die Geldmenge bzw Inflations- und Asset-Inflationsziele über den Zins, einfach deshalb, weil die Zentralbank die Geldmenge unter Kontrolle hätte, das gesamte Spektrum der Zinsen und das Zinsniveau aber nicht.

Außerdem ist F&S' Annahme, die Zinsen müssten 'niedrig und stabil' sein, doch etwas spezifizierungs-bedürftig. 'Niedrig und stabil' real oder nominal, absolut oder relativ zu Wirtschaftswachstum oder Preisentwicklung? Wenn F&S wirklich Marktwirtschaftler sind, wie sie beanspruchen, müsste ihnen Zinslenkung (= Preislenkung) doch eigentlich suspekt sein. Geldangebot- und Geldnachfrage-gerechte Zinsen sind erwünschte Marktsignale. Die Zinsen sollen sich je nach Marktlage erhöhen oder verringern. Hätten die Staatsanleihe-Zinsen im Euroraum dies von 2000 bis 2008 getan, statt Fata-Morgana-artig nach unten zu konvergieren, wäre dem Euro und der EU ihre Krise, einschließlich der politischen Folgen, erspart geblieben. Bei funktionierenden Märkten sind angebots-nachfrage-abhängige Zinsen kein Problem, sondern in der Regel Teil der Lösung. Im heutigen Giralgeldregime funktioniert dieser Mechanismus aber kaum, weil Geld von den Banken in beliebiger Menge erzeugt werden kann und daher keinen Knappheitsanker bzw keinen realwirtschaftlichen Wertanker besitzt.  

Geld für die Real- oder die Finanzwirtschaft?
F&S wenden ein, die Geldmenge allein würde noch nichts darüber vorentscheiden, wohin das Geld fließt, insbesondere, ob es in die Realwirtschaft oder in die kasinokapitalistischen Teile der Finanzwirtschaft fließt. Dies trifft in gewisser Weise zu; aber gegen Vollgeld ist es ein unsachgemäßer Einwand. Zunächst lässt sich immerhin geltend machen, dass bei BIP-proportionaler Geldmengenentwicklung, 'instant cheap leverage' für BIP-disproportionale Aufblähung der Finanzaktiva und des Kasinokapitalismus nicht mehr zu haben sein wird. Wenn der Markt funktioniert, werden die Zinsen bzw Renditen der Realwirtschaft gegenüber denen der Finanzmärkte nicht mehr automatisch im Nachteil sein.    

Darüber hinaus aber soll man von Vollgeld nicht projektiv erwarten, was Vollgeld keineswegs beansprucht, nämlich eine finanzmarktpolitische Allzweckwaffe zu sein. Der Übergang von Giralgeld zu Vollgeld ist eine Reform der Geldordnung, genauer gesagt, der Geldschöpfung. So viel, aber nicht mehr. Vollgeld ist keine noch weiter gehende Reform des Banken- und Finanzwesens und erübrigt daher keineswegs notwendige andere Reformmaßnahmen  – zum Beispiel transparente und vollständige Rechnungslegung, Re-Regulierung gewisser wilder Finanzmarktpraktiken, erhöhte Eigenkapital-Anforderungen, Bankenabwicklungs-Verfahren, oder bestimmte Aspekte einer Trennbankenordnung (die Vollgeld zu einem Teil selbst bereits konstituiert). Nur wäre es ein Irrtum, zu meinen, solche Reformen würden eine grundlegende Reform der Geldordnung erübrigen. Es ist vielmehr so: Alle solche Reformen werden auf Dauer erneut wenig  bewirken, wenn und solange das fraktionale Reservebanking fortbesteht. Erst auf der Grundlage einer stabilen Geldordnung können andere Maßnahmen wie die genannten ihre beabsichtigte Wirkung überhaupt entfalten.

Die Geldordnung – der verkannte Faktor
F&S wird das freilich nicht ohne weiteres einleuchten. Wie fast alle Keynesianer und Postkeynesianer betrachten sie Geld zwar als einen grundlegenden Faktor der Finanz- und Realwirtschaft, sehen im Geldsystem selbst aber keine Ursache von Finanzkrisen. F&S glauben daher, keinen Grund zu haben, die empirisch untermauerten krisentheoretischen Befunde zum Zusammenhang von BIP-disproportionaler Kredit- und Schuldenausweitung, Blasenbildung und Finanzkrisen mit der Geldordnung in Verbindung zu bringen, obwohl im Giralgeldsystem primäre Kreditierungen/Verbindlichkeiten und Geldmengen identisch sind. Bei Krisenursachen denken sie vielleicht eher an Deregulierung, falsche Geldpolitik u.a. Dabei schließt das eine das andere überhaupt nicht aus. Nur, aus der Deregulierung sind nicht die BIP-disproportionalen Riesensummen gekommen, mit denen die gewaltigen Finanzmarkt-Räder überhaupt erst gedreht werden können.

F&S verkennen von daher auch die Bedeutung des monetären Kernpunktes des Vollgeldansatzes, der darin besteht, die Kontrolle über die Geldmenge zu erlangen, dadurch, dass die Geldmenge an einen Knappheitsanker gebunden wird, den modernes Zeichengeld (fiat money) von sich aus nicht besitzt. Ein solches Ansinnen löst bei F&S anscheinend nur zwei Abwehrreflexe aus – Vollgeld als 'das neue Gold' und als 'Monetarismus'.

Vollgeld ist kein Goldstandard, sondern ein variabler Finanzierungs- und Kaufkraftrahmen für das Wirtschaftsprodukt
Der Vergleich mit dem Goldstandard ist unpassend und irreführend. Vollgeld wird nicht an einen Goldstandard oder sonst eine verabsolutierte Größe mit deflationärer Wirkung gebunden. Der Goldstandard ist seit über hundert Jahren obsolet, wenn er es nicht schon in den 1830/40er Jahren von Beginn an war. Stattdessen koppelt sich Vollgeld an das 'moving target' des Wachstumspotenzials der Wirtschaft bei näherungsweiser Vollauslastung der Kapazitäten. Dies lässt sich nur erreichen, wenn die tendenziell unbegrenzte Giralgeldschöpfung der Banken beendet und ersetzt wird durch eine diskretionäre, prospektive wie ebenso fortlaufend justierende Geldmengenpolitik der Zentralbank, oder anders gesagt, wenn Geldschöpfung und Bankenkredit voneinander entkoppelt werden.

Vollgeld in ökonomischen Theorie-Zusammenhängen
Ehe nun auf den 'Monetarismus' eingegangen wird, den F&S im Vollgeldansatz zu erkennen glauben, sei kurz erläutert, wie Vollgeld paradigmatisch am ehesten einzuordnen ist.

   Das Vollgeldkonzept beruht auf einem chartalen Geldbegriff und einem nicht nur
ökonomischen, sondern auch staats- oder verfassungsrechtlichen Verständnis der Geldordnung.

  Es beruht auf einer tatsachengerechten Theorie der Funktionsweise des heutigen Giralgeld- und Bankensystems. Neoklassik, Keynes und Neokeynesianismus werden dem in mancher Hinsicht nicht gerecht (Multiplikatormodell, reserve position doctrine, Rolle der Zentralbanken und Geldpolitik), dagegen Postkeynesianer wie Moore oder Minsky durchaus, ebenso Ableger wie die Circuitists (Graziani) und auch die Modern Money Theory MMT (letztere jedoch in anderen Punkten auch wieder nicht, u.a. was ihre Fehldeutung des Giralgeldes als 'sovereign currency' angeht).

  Vollgeld repostuliert des weiteren die Quantitätstheorie des Geldes und bezieht diese auf Asset-Inflation und Finanzmarktblasen ebenso wie auf Warenpreis-Inflation und übersteigerte Konjunkturzyklen. Obschon im Prinzip von allen ökonomischen Schulen anerkannt, gleicht das Bekenntnis zur Quantitätstheorie doch häufig einem bloßen Lippenbekenntnis, besonders in gewissen Varianten des Keynesianismus und Postkeynesianismus, von A. Lerner bis zur MMT.

  Des weiteren gilt die Annahme der allokativen und distributiven Nicht-Neutralität des Geldes und der Bankentätigkeit. Das teilt die Vollgeldtheorie sowohl mit der Österreichischen Schule als auch mit Keynes und praktisch allen sich auf ihn berufenden Richtungen. Neben der rechtlichen Weisungsbefugnis ist Geld – und zwar nicht nur seine Allokation und Verteilung, sondern zuvor schon seine Schöpfung und Erstverwendung – das bedeutendste Mittel gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsausübung.

  Dem Vollgeldkonzept liegt eine Analyse der Disfunktionen des Giralgeldregimes der Banken zugrunde (des fraktionalen Reservebanking). Dieser Analyse zufolge sind die Finanz-, Banken-, Währungs- und Staatschuldenkrisen auf monetäre Ursachen zurückzuführen, nicht nur, aber grundlegend. Diese Ausfassung teilt das Vollgeldkonzept als neue Currencylehre wiederum mit Österreichern und Neoaustrians, mit der Early Chicago School, I. Fisher, nicht aber mit Friedman in späteren Jahren, ebenso wenig mit Keynes, und auch die meisten Postkeynesianer und Ableger bleiben diesbezüglich vage, auch der Monetär-Keynesianismus nach Riese.

   Aus der grundsätzlich monetären Ursachen-Attribution leitet das Vollgeldkonzept einen entsprechenden Reformbedarf bzgl des Geldsystems ab, speziell bzgl der Geldschöpfung. Anknüpfungspunkt sind weder Gold noch Reservepositionen (wie bei früheren Ansätzen einer 100%-Reserve), schon gar nicht Leitzinspolitik, sondern die currencytheoretische Trennung von Geld und Kredit, damit verbunden die Aufhebung von Giralgeld (Bankengeld im Publikumskreislauf) ebenso wie Reserven (Zentralbankgeld im Interbankenkreislauf) zugunsten eines integrierten single-circuit Vollgeldsystems jenseits von Giralgeld und Reserven. Der Vollgeldansatz stellt damit eine Neue Currencylehre auf der Höhe der Zeit dar (im Unterschied zu Banking­lehren mit ihren monetären und finanzwirtschaftlichen Effizienzmarkt-Vermeintlichkeiten). Nur vereinzelt haben Ökonomen unterschiedlicher Herkunft bisher in diese Richtung gedacht, sodass der Vollgeldansatz eine Pionierfunktion erfüllt.

Vollgeld steht für eine neue Currencylehre, nicht für 'Monetarismus'
Zurück zum Missverständnis, Vollgeld sei 'Monetarismus' im Sinne von Friedman. Nur weil man gelegentlich Friedman zitiert, ist man nicht gleich Monetarist. Es lässt sich auch einiges bei Marx, Keynes oder Hayek zustimmend zitieren, ohne dass man deshalb gleich Marxist, Keynesianer, Ultraliberaler oder Neoaustrian wäre. Obwohl der Ausspruch 'Money matters!' von Friedman stammt, vertrat er damit nicht systematisch einen Standpunkt der Nicht-Neutralität des Geldes.  Er beschränkte sich eher auf eine starke Version der Quantitätstheorie ('Inflation is always and everywhere a monetary phenomenon'). Das dürfte allzu einseitig attribuiert sein, aber praktisch alle ökonomischen Theorien, die sich mit Inflation, Asset Inflation, Blasen- und Krisenbildung auseinander setzen, fußen auf der Quantitätstheorie. Das gilt auch für Keynes. Sein Standpunkt bezüglich der Quantitätstheorie war unmissverständlich: 'This theory is fundamental. Its correspondence with facts is not open to question' (Tract on monetary reform, 1923, 74). Manche derer, die sich auf ihn berufen, haben das wohl überlesen.

Der Quantitätstheorie zufolge führt eine Zunahme der Geldmenge zur Realisierung eines vorhandenen realen Wachstumspotentials oder, bei Fehlen oder Überschreitung eines solchen Potenzials, zu Inflation oder Asset Inflation oder beidem (Asset Inflation = Finanzmarkt-Blasenbildung infolge einer Inflation der Preise von Wertpapier- und Sachwertanlagen, meist, und anders als in der Realwirtschaft, in Verbindung mit einer Aufblähung ihrer Menge). Eine Verringerung der Geldmenge führt umgekehrt zu Disinflation bis Deflation in der Finanz- und/oder Realwirtschaft, wobei die Deflation mit Stagnation, Arbeitslosigkeit und sinkenden Realeinkommen verbunden zu sein pflegt. 

Die Quantitätstheorie des Geldes ist eine der ältesten und bewährtesten ökonomischen Lehren überhaupt. Sie ist heute so grundlegend wie seit jeher und sie beinhaltet, dass einer der Schlüssel zu sicherem Geld und stabilen Finanzen, zumindest eine grundlegende Voraussetzung, in der Geldmenge und also auch der geldpolitischen Kontrolle über die Geldmenge liegt.

Eigentlich wäre 'Monetarismus' für eine solche Sicht der Dinge ein passender Ausdruck, gäbe es da nicht, erstens, Friedman's Verbindung der Quantitätstheorie mit dem unrealistischen Anspruch, unter Bedingungen des fraktionalen Reservesystems Geldmengenpolitik betreiben zu können und, zweitens, seine sehr persönliche Verbindung der Quantitätstheorie mit der einäugigen Supply-Side-Ideologie, die vor bald einem halben Jahrhundert auch als Reagonomics und Thatcherismus bekannt wurde. Beides – die in einem Giralgeldsystem buchstäblich unmögliche Geldmengenpolitik ebenso wie die vereinseitigte Supply-Side-Ideologie – haben dem Begriff des Monetarismus bleibenden Schaden zugefügt. Eben deshalb ist es von Seiten einer neuen Currencylehre und Geldreformbewegung richtig, den Begriff Monetarismus ebenso zu vermeiden wie jeden Vergleich mit dem Goldstandard.

Aber so sehr auch der Friedman'sche Monetarismus der 1960–80er Jahre in eine Ideologie abgerutscht sein mag, so sehr ist doch die Quantitätstheorie des Geldes ein einfacher wahrer Kern, ohne den der Monetarismus kaum Resonanz gefunden hätte. Man darf nicht vergessen, dass dem Monetarismus damals zwei bis drei Jahrzehnte hoher Verbraucherpreis-Inflation vorausgegangen waren. Seit den 1980ern gab es dann weniger Inflation, dafür umso mehr Asset Inflation.

Vollgeld begründet eine allgemeine Geldordnung, keine spezielle Angebots- oder Nachfrageideologie
Freilich geht es nicht nur darum, Monetarismus als eine gleichsam einäugige 'Kapital'-Ideologie zu vermeiden, sondern ebenso, sich nicht im 'Arbeits'-ideologischen Pendant eines einäugigen Demand-Side-Keynesianismus zu verfangen (von dem Keynes selbst sich vermutlich distanziert hätte). Die Kontroverse zwischen einem 'Kapital'-vereinnahmten Angebots-Monetarismus und einem 'Arbeits'-vereinnahmten Nachfrage-Keynesianismus – eine Kontroverse, die auch im Schatten der Systemkonfrontation des Kalten Kriegs stand –  spiegelt die Realität entgegengesetzter politisch-ökonomischer Interessen wider. Man kann in diesem politischen Konflikt parteiisch sein, zumal wenn es um konkrete Einzelfragen geht. Aber um Allgemeingültigkeit bemühte unparteiische Wissenschaft kann man damit allenfalls als 'halbe Sache' betreiben.

Auch im Rahmen einer Vollgeldordnung werden sich unterschiedliche politische Interessen geltend machen. Der Geldpolitik in einer Vollgeldordnung können beide, Supply Side und Demand Side, ihren Stempel aufdrücken, in Form des jeweiligen Kompromisses wie er sich aus den Machtverhältnissen der Zeit ergibt, ähnlich wie im Parlamentarismus wechselnde Mehrheiten an die Regierung kommen. Vollgeld selbst jedoch begründet weder einen Angebots-Standpunkt noch einen Nachfrage-Standpunkt. Systemisch gesehen handelt es sich um zwei einander ergänzende wie auch  begrenzende Seiten eines Gesamtzusammenhangs. Vollgeld konstituiert eine allgemeine Geldordnung im Interesse monetärer und finanzieller Stabilität ohne eingebaute ökonomische Allokations- und Verteilungs-Schieflage.