Bilanzierung von Vollgeld

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Buchhaltung und Bilanzierung sind nicht jedermanns Sache. Für das Geld- und Bankwesen sind sie jedoch konstitutiv. Eine Bank ist nichts anderes als ein großer Buchungs- und Bilanzierungsbetrieb.

Von daher ist es folgerichtig, dass je mehr Vollgeld öffentliche Beachtung findet, desto häufiger die Frage nach seiner sachgerechten Verbuchung und Bilanzierung aufkommt.

Zuerst hatte man sich in dieser Frage am Vorhandenen orientiert, das heißt, Vollgeld als Verbindlichkeit der Zentralbank zu buchen. Es wurde aber immer deutlicher, dass dieser hergebrachte Ansatz, Geld als Verbindlichkeit des Geldemittenten zu behandeln, historisch längst überholt und unstimmig geworden ist.

Der darauf folgende Ansatz sieht vor, mit Vollgeld wie mit Münzgeld zu verfahren, das heißt, es ausschließlich als Eigenkapital-wirksames Aktivum zu verbuchen. In einigen der nachstehenden Manuskripte ist dieser Grundgedanke ausgeführt, mit Unterschieden im Detail.  

Der Münz- oder Eigenkapital-Ansatz ist stimmiger als der Verbindlichkeits-Ansatz, hat aber auch noch seine kleinen Schönheitsfehler. Diese lassen sich beheben, indem aus der Geschäftsbilanz der Vollgeld-schöpfenden Zentralbank ein Währungsregister ausgegliedert wird, über welches die Geldemission vorausgehend erfolgt, und von wo aus neues Geld entweder als Seigniorage dem Staatshaushalt oder für Kreditgeschäfte dem Bankbetrieb der Zentralbank zufließt.
Der folgende Artikel erläutert den Währungsregister-Ansatz und begründet ihn geldsystemisch und bilanzierungstechnisch: 

Für ein Währungsregister der Zentralbank. Vollgeld-Bilanzierung bei Zentralbank und Banken >  

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> Geldordnung, Geldschöpfung und Staatsfinanzierung
(Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, 62/2, 2013). In diesem Papier entwickelt Timm Gudehus eine Vollgeldreform mit einem Bilanzierungsansatz, bei dem alles Geld außerhalb der Zentralbankbilanz geführt wird (wie heute Münzen).  
In kompakter Form > Bilanzierung des Geldes und Einführung einer neuen Geldordnung
Als weitere Verdichtungsleistungen
> Entwurf einer Europäischen Währungsverfassung   
> Kommentar zum Entwurf einer Europäischen Währungsverfassung  

Th. Mayer

Th. Mayer

• Thomas Mayer hat den Ansatz, Vollgeld bei Zentralbanken und Banken wie Münzen zum Eigenkapital zu buchen, weiter ausgeführt. Vollgeld wird dann immer und überall als liquides Aktivum geführt, nicht als Verbindlichkeit (eine irreführend gewordene Praxis, die aus der Zeit der Gold- und Silbermünzen-Unterlegung von Banknoten und Reserven stammt). Der Bestand an Vollgeld ergibt sich aus einer Statistik, die außerhalb der Zentralbankbilanz geführt wird:
> Bilanzierung von Giralgeld und Vollgeld

• Auch Christoph Zenger vertritt den Standpunkt, dass Vollgeld bei seiner Zentralbank-Entstehung als Eigenkapital zu buchen ist, nicht als Verbindlichkeit   > Wie buchhalterische Fehlbeurteilungen die Geldpolitik und monetäre Reformen behindernInside Paradeplatz, 22.6.16.  

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• Norbert Häring erläutert anhand eines Artikels des Bankers Wolfgang Edelmüller> Wie die Notenbanken den Staat durch Bilanzierungstricks knapp halten (Geld und mehr, 24.7.2016). Würde neu erzeugtes Zentralbankgeld statt in obsoleter Weise als Verbindlichkeit erfasst zu werden, über das (Geldschöpfungs-)Gewinnkonto zum Eigenkapital gebucht, könnten die Zentralbanken schon heute erheblich mehr Gewinn (Seigniorage) für nützliche Zwecke ausschütten. 

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• Jürgen Kremer, Professor für Finanzmathematik, hat ein > Vollgeldsystem bilanzbuchhalterisch dargestellt (wobei er die Ausgabe von Vollgeld bei der Zentralbank noch als Verbindlichkeit bucht). 

 

 

 

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